Viele betroffene Patienten sind im Moment sehr aufgeregt: Wie wirkt sich das Virus auf die Krebsbehandlung aus? Gehöre ich zu einer Risikogruppe? Was sollte ich in meinem täglichen Leben während der Krebstherapie oder nach der Behandlung beachten? In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema Corona und Krebs.

Krebspatienten, deren Immunsystem geschwächt ist oder die an Erkrankungen der oberen Atemwege wie beispielsweise Asthma leiden, werden als Hochrisikogruppe eingestuft. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit einer schweren Corona-Erkrankung ist die gängige Expertenmeinung, dass Patienten bei erfolgreich abgeschlossener oder gut kontrollierter Behandlung kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf durch eine Coronavirus-Infektion haben. Das gilt, solange sie nicht aus weiteren Gründen zur Risikogruppe gehören.

An dieser Stelle ist es wichtig, Corona und die Folgen begrifflich abzugrenzen. Eine Infektion mit dem Corona-Virus führt nämlich nicht zu einer „Corona Erkrankung“ im eigentlichen Sinn. Viel mehr wird das Immunsystem derart geschwächt, dass andere Infektionen leichtes Spiel haben. Allen voran steht die Lungenentzündung als größte Gefahr für die Patienten.

Wir haben einige Anfragen unserer Krebspatienten gesammelt, die wissen wollten, ob sie zur Risikogruppe gehören. Wir hoffen, dass diese Beispiele eine Hilfestellung für andere sind, die sich in ähnlichen Situationen befinden.

Liste der Fragen unserer Patienten

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Fragen zum Thema Corona und Krebs

“Ich hatte vor fünf Jahren Leukämie mit Chemotherapie, Bestrahlung und Stammzellentransplantation. Sollte ich als hochgefährdet für Coronaviren angesehen werden?”
Ein Laborant nutzt eine Pipette und mehrere Reagenzgläser

In diesem Fall ist seit der Behandlung eigentlich genügend Zeit vergangen. Der entscheidende Faktor ist nun, ob das Immunsystem aktuell geschwächt ist. Das lässt sich leicht mit einem Bluttest überprüfen.

Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn eine niedrige Anzahl weißer Blutkörperchen vorliegt, der Immunglobulinspiegel recht niedrig ist oder dauerhaft Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken.

“Meine Mutter hat Brustkrebs und unterzieht sich derzeit einer Chemotherapie. Ist es ihr möglich, Kontakt zu Familie und Freunden zu haben?“

Wenn sich eine Person einer Chemotherapie unterzieht, sollten direkte Kontakte aller Art dringend vermieden werden. Auch wenn es schwer fällt: Versuchen Sie die Kommunikation vorläufig nur über Internet oder Telefon aufrechtzuerhalten.

Bitten Sie Ihre Familienmitglieder, sich um Sie zu kümmern, damit Sie nicht einkaufen gehen müssen. Lassen Sie die Lebensmittel vor der Tür abstellen und halten Sie bei der Übernahme ausreichend Abstand ein.

Eine sogenannte „Schmierinfektion“ gilt nach wie vor als sehr unwahrscheinlich. Das bedeutet, Sie brauchen keine Angst davor zu haben, dass sich Corona Erreger dadurch übertragen, dass Infizierte Dinge berührt haben, die Sie dann anfassen. Ausreichendes Händewaschen bietet natürlich dennoch zusätzlichen Schutz und schadet nicht.

“Ich befinde mich in der Behandlung des follikulären Non-Hodgkin-Lymphoms und erhalte von Februar 2019 bis November 2021 eine Antikörpertherapie. Bin ich besonders gefährdet?”

Patienten mit Lymphomen haben ein erhöhtes Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln. Der Grund liegt vor allem darin, dass sie höchstwahrscheinlich ein geschwächtes Immunsystem haben.

“Ich bin 56 Jahre alt, und ich wurde bis August 2019 wegen Brustkrebs mit einer Strahlentherapie behandelt. Bedeutet das, dass ich einem erhöhten Risiko einer schweren Coronavirus-Infektion ausgesetzt bin?”
Eine Frau mit Mundschutz

In diesem Fall ist die Krebsbehandlung vermutlich bereits abgeschlossen. Nun ist der Hauptindikator, ob Ihr Immunsystem derzeit geschwächt ist.

Überprüfen Sie Ihr Blutbild, z. B. Ihre weißen Blutkörperchen und den Immunglobulinspiegel. Wenn beide Werte niedrig sind, ist es wahrscheinlich, dass Ihr Immunsystem geschwächt ist.

Grundsätzlich: Wenn eine Krebsbehandlung erst vor kurzem abgeschlossen wurde, fragen sich viele Menschen, ob sich ihr Immunsystem bereits so weit erholt hat, dass es nicht mehr besonders anfällig für Infektionen ist.

Es ist schwierig, auf diese Frage eine eindeutige Antwort zu geben. Neuere Forschungen zeigen, dass es bei einigen Untergruppen der Abwehrzellen länger dauern kann, bis sie sich vollständig erholen. Daher wäre es vernünftig davon auszugehen, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

“Mein Mann hat Prostatakrebs und hatte Kontakt mit einem Kollegen, der einen positiven Koronarvirustest hatte. Bedeutet das, dass er zu Hause bleiben und auf seinen Zustand achten muss?”

Alle Personen, die mit einer Person in Kontakt kommen, bei der eine Coronavirus-Infektion bestätigt wurde, sollten 14 Tage lang zu Hause bleiben – unabhängig davon, ob sie gesund sind oder Krebs haben.

Gleichzeitig sollten Krebspatienten mit dem behandelnden Arzt klären, wie sie die Therapie fortsetzen können. Unbedingt sollten sie mit ihrem Onkologen schon im Vorfeld besprechen, was zu tun ist, wenn die ersten Symptome auftreten.

“Ich habe Brustkrebs und in den letzten drei Monaten habe ich eine Chemotherapie mit Paclitaxel erhalten. Danach ist eine weitere Chemotherapie mit Epirubicin/Cyclophosphamid geplant. Ich habe große Angst davor, mich bei der nächsten Chemo in der Krankenhausabteilung anzustecken.”
Eine Frau liegt in einem Krankenbett und sieht nachdenklich aus dem Fenster

Einige Chemotherapeutika (Zytostatika) zerstören die Blutbildung im Knochenmark. Das Ergebnis sind zu wenige weiße Blutkörperchen. Dies schwächt das Immunsystem und erhöht das Infektionsrisiko. Experten nennen diesen Zustand Leukopenie.

Es gibt Wirkstoffe, die das Immunsystem stark hemmen, wie zum Beispiel Cyclophosphamid (Endoxan®) oder Vinblastin (Velbe®). Und es gibt solche, auf die dies nicht gleichermaßen zutrifft, wie z.B. Paclitaxel (Taxol®) und Docetaxel (Taxotere®).

Während der Chemotherapie kontrolliert Ihr Arzt regelmäßig Ihr Blut und weiß, welche Nebenwirkungen nach der Einnahme Ihrer Chemotherapie-Medikation auftreten. Fragen Sie im Zweifelsfall nach, wie er Ihre Situation individuell einschätzt und ob Sie einen besonderen Infektionsschutz benötigen.

Sie können sich auch an unseren Onkologen wenden, um eine zweite Meinung einzuholen. Sie müssen dafür nicht hier vor Ort erscheinen. Nutzen Sie einfach dazu die nebenstehenden Kontaktinformationen, um unverbindlich weitere Informationen zu erhalten.

Wichtige Informationen hierzu:

Die Dosierung der Chemotherapie beeinflusst auch, wie sehr das Immunsystem geschwächt wird. In der Regel erhalten Patienten, die sich einer Blutstammzelltransplantation oder einer Behandlung der akuten Leukämie unterziehen, eine besonders intensive Chemotherapie. Eine solche Behandlung setzt die Fähigkeit des Immunsystems, Infektionen erfolgreich zu bekämpfen, stark herab.

“Ich bin 68 Jahre alt, habe ein follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom und habe bereits 4 Zyklen einer Antikörper-Chemotherapie hinter mir. Jetzt muss ich alle zwei Monate eine unterstützende Antikörpertherapie mit Obinutusumab (Gaziva®) einnehmen. Ich bin besorgt über das möglicherweise erhöhte Infektionsrisiko.”

Einige Medikamente, die von Ärzten zur Behandlung von Blutkrebs eingesetzt werden, schwächen das Immunsystem. Dazu gehören monoklonale Antikörper wie Gaziva® (Obinutuzumab). Sie reduzieren die Anzahl der Abwehrzellen im Körper.

Patienten, die sich einer solchen Therapie unterziehen, sind dem Risiko einer schweren Erkrankung ausgesetzt und sollten sich insbesondere vor einer Infektion mit dem KOVID-19-Virus schützen.

“Ich bin 53 Jahre alt und befinde mich wegen Brustkrebs in Behandlung. Zurzeit erhalte ich Hyotriff® (Aphathinib). Könnte die Einnahme dieses Medikaments dazu führen, dass der Krankheitsverlauf bei Coronaviren schwerer ist als bei allgemein gesunden Menschen?“
Eine Frau nimmt eine Tablette und hält ein Glas Wasser

Einige Medikamente zur zielgerichteten Krebstherapie werden nicht als zu immunsuppressiv angesehen. Dazu gehören Aphathinib (Giotriff®) und ähnliche Medikamente, die die Übertragung von Wachstumssignalen in der Zelle hemmen. Diese Medikamente gehören zur Gruppe der “Tyrosinkinase-Inhibitoren”.

Wichtig dabei: Verwechseln Sie diese nicht mit anderen Medikamenten, die ebenfalls zur “Sehtherapie” gehören. Im Gegensatz zu den oben genannten Medikamenten können sie das Immunsystem deutlich hemmen und somit bei einer Infektion mit dem Virus Covid-19 das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs verursachen. Dazu gehören beispielsweise Ibrasana® (Palbocyclin) und Kiskali® (Ribocyclin).

Macht es Sinn, eine Krebsbehandlung wegen der Corona Krise aufzuschieben?

Ich befinde mich wegen Brustkrebs mit betroffenen Lymphknoten in Behandlung und habe in Kürze den nächsten Chemotherapie-Termin. Sollte ich meine Chemo verschieben?”

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) empfiehlt, dass Patienten ihre geplante Krebstherapie nicht verschieben sollten.

Eine Krebstherapie kann sogar helfen – in den meisten Fällen ist eine richtige Krebstherapie erfolgversprechender für das Überleben der Patienten als eine Unterbrechung der Therapie aufgrund von Coronavirus-Vorkehrungen. Patienten, die die Behandlung wie geplant fortsetzen, leiden tendenziell weniger an Infektionen als Patienten, die die Behandlung aus Angst vor einer Cornoa-Infektion unterbrochen haben.

Natürlich wird der Arzt die individuellen Merkmale und die Situation des Patienten berücksichtigen, bevor er eine entsprechende Empfehlung ausspricht. Wenn sich die Krankheit in einem gut kontrollierten Stadium befindet und es nicht dringend notwendig ist, die Behandlung fortzusetzen, kann Ihr Arzt durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Behandlung pausiert werden kann.

“Ich habe hormonabhängigen Brustkrebs, bin bereits operiert worden und unterziehe mich derzeit einer Strahlentherapie. Jetzt habe ich Angst davor, mich während meiner täglichen Bestrahlungssitzungen mit dem Coronarvirus anzustecken. Ist es vernünftig, diese Behandlung während einer Pandemie fortzusetzen?”
Ein modernes Gerät für Strahlentherapie

Viele Krebspatienten haben Angst davor, während der Strahlentherapie sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Eine mögliche Infektion mit COVID-19 kann bei einigen Krebspatienten schwerwiegend sein.

Andererseits besteht das Risiko, dass sich die Heilungschancen bei einer verzögerten oder ganz abgebrochenen Strahlenbehandlung verschlechtern.

Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sollten medizinisch notwendige Strahlenexpositionen nicht verschoben oder unterbrochen werden. Die Strahlentherapie kann jedoch während der Pandemie angepasst werden:

  • Änderung des Behandlungsschemas: Bei einigen Krebsarten können Ärzte die Behandlungsreihenfolge ändern, ohne die Heilungschancen zu verringern. Zum Beispiel verabreichen Sie zunächst eine Hormontherapie und später eine Bestrahlung.
  • Änderung des Strahlungsanteils: Statt häufiger Sitzungen mit kleinen Dosen ist es möglich, die Strahlentherapie seltener, dafür aber mit höheren Dosen durchzuführen.

Wenn eine solche Korrektur als nicht ratsam erscheint, empfehlen die Ärzte die geplante Behandlung mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich einer potentiellen Corona Infektion fortzusetzen.

Haben Sie sich während der Strahlentherapie mit Corona infiziert?

Selbst wenn Krebspatienten neue Atemwegssymptome und/oder ein positives Coronavirus-Testergebnis haben, bedeutet dies nicht unbedingt, dass sie ihre Strahlentherapie sofort abbrechen müssen. In diesem Fall sollten sie sich telefonisch mit ihrem Radioonkologen in Verbindung setzen und individuell klären, ob und unter welchen Bedingungen eine Behandlung durchgeführt werden kann.

“Ich bin eine Patientin mit Brustkrebs und habe gerade die 5. von 28 Sitzungen absolviert. Was passiert, wenn ich wegen Corona nicht zur nächsten Sitzung kommen kann (Quarantäne oder andere Gründe)? Ich habe große Angst, dass das meinem Behandlungsverlauf schaden könnte.“

Bei Krankheiten wie Brustkrebs wird die Strahlentherapie häufig präventive eingesetzt. Strahlentherapie-Einrichtungen sollten sollten Therapien so umfassend und kontinuierlich wie möglich fortsetzen, unabhängig von Quarantänemaßnahmen.

Pneumonie-Impfung für Krebspatienten.

Eine Junge Frau bekommt eine Impfung mit einer Spritze

Die Pneumokokken-Impfung schützt zwar nicht vor COVID-19, kann aber Komplikationen durch eine Lungenentzündung verhindern. Das deutsche Robert-Koch-Institut rät darum Ärzten dazu, Menschen mit einem besonders hohen Erkrankungsrisiko zu impfen.

Dazu gehören insbesondere Kleinkinder und Kinder unter 2 Jahren. Ebenso zu dieser Gruppe zählen Menschen mit geringer Immunität, ältere Menschen über 70 Jahre und Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten, einschließlich Asthma.

Aufgrund der Tatsache, dass viele Krebspatienten ein geschwächtes Immunsystem haben, entweder durch die Krankheit selbst, durch eine Chemotherapie oder eine ähnliche Behandlung, wird empfohlen, sich gegen eine Lungenentzündung impfen zu lassen.